Blume vor dem Landhaus

Geschichte

Das Bildungszentrum Heimvolkshochschule (HVHS) Hustedt e.V. wurde 1948 als Verein gegründet. Seitdem ist politische Bildung mit Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen die Hauptaufgabe. Zum Bildungszentrum gehört auch das „Gesamteuropäische Seminar“, das sich an Auszubildende, SchülerInnen und Studierende aus ganz Europa wendet.

Die Idee der Heimvolkshochschulen lässt sich mit dem Motto „Leben und Lernen unter einem Dach“ gut beschreiben. 1844 wurde die erste HVHS in Rödding in Dänemark nach dem Konzept des fortschrittlichen Pfarrers und Pädagogen Frederik Grundtvig gegründet. Als reformpädagogische Einrichtungen der Erwachsenenbildung entstanden nach 1920 die ersten HVHS in Deutschland, eine der bekanntesten arbeitnehmerorientierten HVHS war die im thüringischen Tinz, die sich selbst als sozialistische Bildungseinrichtung verstand.

Im Gegensatz zu kommunalen Volkshochschulen finden an HVHS in der Regel Wochenseminare, in einigen Fällen auch mehrwöchige Kurse in Internatsform statt. Dadurch wird ein zweites Prinzip des Lernens an HVHS praktiziert: Zeit zum Lernen. Damit eng verbunden ist ein drittes Prinzip, das des selbstständigen Lernens, welches Rosa Luxemburg, die selbst Lehrerin an der Berliner SPD-Parteischule war, schon 1911 so umschrieb: „Als erste Bedingung eines gedeihlichen Unterrichts tritt die Diskussion, die freie Aussprache der Schüler mit dem Lehrer in den Vordergrund. Nicht das mechanische Eintrichtern einer Summe positiven Wissens kann als Hauptaufgabe betrachtet werden, sondern die Erziehung zu systematischem und selbstständigem Denken.“

Heute gibt es in Niedersachsen 23 HVHS, dies ist die größte Zahl aller Bundesländer. Diese Besonderheit ist historisch zu erklären: Als die britische Militärregierung nach 1945 ein sogenanntes „Reeducation“-Programm plante, um nach zwölf Jahren faschistischer Diktatur den Deutschen wieder demokratische Lebensformen zu vermitteln, wurden in der britischen Zone und besonders in Niedersachsen Internatsschulen gegründet, die späteren HVHS. Die niedersächsischen HVHS repräsentieren jeweils zivilgesellschaftliche Gruppierungen von konfessionellen, wirtschaftsnahen, arbeitnehmerorientierten bis ökologischen und ungebundenen und garantieren damit in Summe die Pluralität in der Erwachsenenbildung.

Diese Entwicklung nahm in Hustedt ihren Anfang: Am 26. Februar 1949 wurde hier die Arbeitsgemeinschaft der Heimvolkshochschulen Niedersachsens gegründet. Gründer waren Fritz Borinski (HVHS Göhrde), Walter Fricke (HVHS Hermannsburg), Karl Ketelhut (HVHS Oldenburg/Rastede) und Heiner Lotze (HVHS Hustedt). Zu dem noch losen Verbund gehörten auch die Heimvolkshochschulen der Inneren Mission Röbke, die ländliche Volkshochschule in der Juliusmühle (ab 1951 in Goslar, heute Bildungshaus Zeppelin) und die Katholische Landvolkshochschule Rulle bei Osnabrück (später Katholische LandvolkHochschule Oesede) sowie ab 1950 die HVHS Springe.